In diesen Tagen wird der 450. Geburtstag von William Shakespeare gefeiert.
Warum in diesen Tagen?
Mitte des 16. Jahrhunderts, also während der englischen Renaissance oder dem "Golden Age" gab es für die einfachen Menschen keine genauen Geburteneinträge, da die frommen Menschen der damaligen Zeit der Meinung waren, dass ein Mensch erst als Mensch gefeiert werden darf, wenn er getauft wurde. William Shakespeare wurde am 26. April 1564 in der Holy Trinity Church in Stratford on Avon getauft. Ich hatte das Glück diese wundervolle kleine Stadt vor einigen Jahren besuchen zu können und begab mich auf die Pfade Shakespeare's. Sein Geburtshaus ist eine Touristenhochburg und in unzähligen kleinen Lädchen kann man sich kleine überteuerte Shakespeare Figuren kaufen und sie sich dann stolz ins Regal stellen. Das habe ich natürlich auch gemacht. :) Außerdem habe ich mir ganz stolz einen Stadtführer gekauft, bis mir dann zu Hause auffiel, dass er komplett auf portugiesisch ist. :(
Hier meine überteurte Shakespeare Figur, auf die ich dennoch sehr stolz bin:
Ich hatte auch das Glück an seinem Grab stehen zu können. Es war für mich ein ganz besonderer Moment, da es unerwarteter Weise sehr leer in der Kirche war und mich bei dem Gedanken daran, wer hier begraben liegt, ein ehrfürchtiger Schauer überkam. Ähnlich ging es mir, als ich am Grab von Elizabeth I in der Westminster Abbey stand.
Warum ich diesen Mann so verehre?
Lest einmal dieses Sonnet und sagt mir, was man daran nicht lieben kann:
Shall I compare thee to a summer's day?
Thou art more lovely and more temperate. Rough winds do shake the darling buds of May, And summer's lease hath all too short a date. Sometime too hot the eye of heaven shines, And often is his gold complexion dimm'd; And every fair from fair sometime declines, By chance or nature's changing course untrimm'd; But thy eternal summer shall not fade Nor lose possession of that fair thou ow'st; Nor shall Death brag thou wander'st in his shade, When in eternal lines to time thou grow'st: So long as men can breathe or eyes can see, So long lives this, and this gives life to thee.
Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen?
Nein, Du bist lieblicher und frischer weit -
Durch Maienblüthen rauhe Winde streichen
Und kurz nur währt des Sommers Herrlichkeit.
Zu feurig oft läßt er sein Auge glühen,
Oft auch verhüllt sich seine goldne Spur,
Und seiner Schönheit Fülle muß verblühen
Im nimmerruh'nden Wechsel der Natur.
Nie aber soll Dein ewiger Sommer schwinden,
Die Zeit wird Deiner Schönheit nicht verderblich,
Nie soll des neidischen Todes Blick Dich finden,
Denn fort lebst Du in meinem Lied unsterblich.
So lange Menschen athmen, Augen sehn,
Wirst Du, wie mein Gesang, nicht untergehn.
****
Vielleicht muss man um ihn zu lieben auch die damalige Zeit ein wenig verstehen. Ich fasse mich kurz:
Der mächtige Henry VIII hinterließ ein religiös aufgebrachtes Königreich, als er starb. Durch seine Gier nach einem männlichen Thronfolger und der dadurch begründeten sechsfachen Damenwahl schaffte er es sogar, den Vatikan gegen sich zu stellen. Weil er sich von seiner ersten Frau Katharina von Aragon kirchlich gesehen nicht scheiden lassen konnte, trennte er sich "einfach" (so einfach war es nicht) von der katholischen Kirche und machte sich selber zum Oberhaupt der englischen Kirche. Diese Tat fand nicht nur Zuspruch in seinem Königreich. Das erzkatholische England tat sich nur schwer damit sich mit der "neuen" Religion anzufreunden. Als seine Tochter nach ihm (ok, dazwischen war noch kurz sein kleiner Sohn Edward bis zu dessen Tode und die "9-Days-Queen" auf dem Thron) auf den Thron kam, änderte sich alles noch mal. Mary I machte ihrem Spitznamen "Bloody Mary" (daher auch der Cocktail) alle Ehre und wollte auf Biegen und Brechen den von ihrem Vater verbannten Katholizismus zurück bringen. Alle Ketzer wurden gnadenlos verfolgt und gefoltert oder getötet. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Westminster Bridge in London regelmäßig gesäumt war von Köpfen, die auf Pfählen steckten.
Als "The Virgin Queen" Elizabeth I auf den Thron kam, veränderte sich noch mal alles. Sie war evangelisch aufgewachsen und ihre regierungsweise bezüglich der Religion ihres Volkes war vergleichsweise milde. Die Zeit um ihre Regentschaft wird auch das "Golden Age" genannt, da London förmlich aufblühte. Theater entstanden, die Künste wurden gefördert und den Menschen wurde öffentliches Vergnügen geboten, die sie von ihrem doch sehr erbärmlichen Leben auf den dreckigen Straßen London's ein wenig ablenkte. Das war auch die Zeit in der Shakespeare nach London kam. Und mit ihm viele weitere große Meister, wie der "metaphysical Poet" John Donne oder Shakespeare Gefähren/Konkurrenten Christopher Marlowe (schrieb den "Doctor Faustus" auf den Goethe's "Faust" basiert) und Ben Johnson.
Es war eine sehr bewegende Zeit und mit ihren Werken haben Shakespeare und Konsortien uns nicht nur einen Einblick in ihre Seele gewährt, sondern ebenso einen Einblick in die Zeit.
Wenn es jemanden von euch genauer interessiert, wie das Leben für den normalen Menschen zu der Zeit war, dem kann ich das Buch The Diary of Samuel Pepys empfehlen. Sehr lesenswert!
Shakespeare hat also weit mehr zu bieten als Romeo und Julia. Insbesondere seine Lyrik hat es mir angetan.
In diesem Sinne: Happy Birthday William!
Eure Julisonne

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen